14.10.
In der letzten Folge dieser Reihe wurde entlang am Denken Heideggers begonnen, seine Frage nach dem Sein zu übertragen auf das Thema: Performanz als Baukunst. Die Ontologie einer „totalen Gegenwart“ trat durch diesen Parallelgang an die Stelle einer ans Jenseits, ans Unendliche, ans Unbewusste gefügten Transzendenz und hatte auch die Metaphysik nicht mehr nötig, denn das gründende, stiftende, bewegte Andere der Baukunst schwingt in ihr selbst schon mit.
Performanz ist gebunden an den sich bewussten Menschen. Von hier aus oder besser, von hier als Anteil gesehen, geschieht eine Beziehung zur Welt. Diese Beziehung fordert den ganzen Menschen und nicht die zum Objekt degenerierte Subjektivität eines „cognito ergo sum“. „…Person ist kein dingliches substanzielles Sein. Ferner kann das Sein der Person nicht darin aufgehen, ein Subjekt von Vernunftakten einer gewissen Gesetzlichkeit zu sein…“ (Heidegger, Martin: GA 2, Frankfurt am Main 1977, S. 64); will heißen, dass Mensch nur „ist“ im Vollzug seiner selbst.
Was sagt uns das in Bezug zur Baukunst? Dinge sprechen zu uns, also auch Architekturen. Deren Sprache kommt zu uns in mannigfaltiger Weise. Manche verstehen sie als Atmosphäre, manche als Aura, manche als Geheimnis, manche als Temperatur, manche als Helligkeit, manche als Farbe. Die Abgründigkeit der Kunst in ihrer stiftenden Unbedingtheit, war im letzten Teil dieser Reihe angeschnitten. In der Abgründigkeit der Kunst zeigt sich auch Gründigkeit / Grund / Boden und Anfang; sie öffnet uns für das „Ist“ ihrer Selbst.
Es geht in der Kunst, also auch in der Baukunst, um die Augenblicklichkeit. In ihr geschieht etwas, wird etwas getan, passiert Tat. In der Tat herrscht die Gegenwart. Es gibt keine andere Zeit als diese. Sie ist es, die der Kunst ihr Gepräge verleiht. Sie ist es, die herausgearbeitet wird aus dem Ding, sei es mit einem Pinsel oder mit einem Meißel oder mit dem tanzenden Körper. Die Augenblicklichkeit erweitert den da-seienden Zustand der Welt, sie hilft, zu entfesseln und Verborgenheit zu verlassen.
Das Prägnante am Kunstgegenstand ist nun, dass die Augenblicklichkeit les- und fühlbar bleibt. Die Gegenwart als einzige Zeit im Schöpfen bleibt erhalten, auch hinfort in der Dauer. Sie wird über die Schöpfung aus ihrem zu Schöpfenden zur Wirkung, zur Wirkung als Unverborgenheit. Genau dieses meint Atmosphäre oder Aura, die einem Kunstwerk oder einer Architektur innewohnt. Kunst wäre dann eine unendlich gedehnte Augenblicklichkeit, ein in die Wirkung entborgenes Sein des Da-Seinenden, das dem Menschen gewahr wird.
Eine der weiteren Besonderheiten bei Heidegger ist nun, dass er das Sein als Unverborgenheit mit Wahrheit zusammendenkt. Eine Wahrheit freilich, die nicht ins „Off“ einer wie immer gearteten Transzendenz geschoben wird, sondern im Dasein bleibt und an dieses verwiesen ist. Wahrheit und ihre Schwester, die Schönheit sind immer schon in der Welt und werden ausschließlich aus diesem „sind“ entfaltet. (Fortsetzung folgt)
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