25.10.
Der Schritt vom bloßen Vorstellen, vom intellektuellen Konstruieren zum Teilhaben am Wesen der Dinge soll heute angedeutet werden. Werkzeug zu sein und nicht Welt zum Werkzeug zu machen, ist die Leitidee hierzu. Wie kann es klappen, etwas zu schaffen, das durch uns spricht und nicht aus uns?
Liegt nicht schon im Wort ‚Schaffen‘ genügend missverständliches Potential? Deutet sich nicht hier schon an, dass es kein Wesen, sondern nur Bedeutung(en) gibt? Wie soll es gelingen, etwas zu beschreiben, zu deuten, das nicht ‘zu bedeuten’ braucht? Heidegger dazu: „…dass jedes Denken des Seins, alle Philosophie nie bestätigt werden kann durch die Tatsachen, d.h. durch das Seiende. Das Sichverständlichmachen ist der Selbstmord der Philosophie…“ (Heidegger: GA 65; S. 435).
Der Schlüssel, um das Wesenhafte zu berühren, liegt im Anderen der wie immer gearteten Verständlichmachung, die sich „…aus den Verstrickungen in die Wissenschafts-Begründung, in die Kulturdeutung, in die Weltanschauungsdienerschaft, in die Metaphysik als ihr eigenes erstes zum Unwesen ausgeartetes Wesen…“ (Ebd.) lösen muss. Der Schlüssel liegt vielmehr im Ereignen des Wesenhaften. Ereignen steht dabei im Unterschied etwa zum Vorfallen oder Stattfinden.
Das Gegenüber und Zusammenspiel von Sein und Seiendem ist für diese Deutung entscheidend, denn das Seyn (Heidegger-Schreibweise) eignet sich uns im Ereignis an. Das Seyn muss dazu in seiner Eigenheit anerkannt werden und bleibt dennoch gleichzeitig gebunden an das Seiende. Im Ereignis wird die Wesenhaftigkeit des Seienden deutlich. Das Ereignen gleicht einem Kampf. Dem Kampf zwischen Erde und Welt, Verborgenheit und Entdeckung, Dickicht und Lichtung. „…Welt ist irdisch (erdhaft), Erde ist welthaft. Erde ist in einer Hinsicht ursprünglicher als Natur, weil geschichtsbezogen. Welt ist höher als das nur Geschaffene, weil geschichtebildend und so dem Ereignis am nächsten…“ (Ebd., S. 275).
Am Beispiel der Kunst wird das sehr deutlich, denn hier wandelt oder verwandelt sich ein geformtes Stück Materie (im weitesten Sinne also Erde), indem es ein Wirkungsgefüge stiftet. Das Ruhende und Stille geht jetzt über ins Offene, schickt sich an, über sich hinaus zu gehen. Ein Kunstwerk ereignet sich. Hier kann auch eine Antwort liegen auf die Standardfrage: Was ist Kunst? Das Entscheidende liegt schon in der Frage und ist mit dem „Ist“ angesprochen. Es „ist“ und dieses Sein lässt im Heideggerschen Sinne das Entfalten eines Wirkungsgefüges, ein Ereignis zu – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Der Künstler wäre demnach ein Mittler, eine Art Medium. Durch die Vermittlung einer verborgenen und übermäßigen Wesenhaftigkeit ereignet sich das daseiende Kunstwerk in das Offene seines Wesens: „…Das Über-maß ist das Sichentziehen der Ausmessung, weil es erst den Streit und damit den Streitraum und alles Abständige entspringen lässt und offen hält…“ (Ebd., S. 249). (Fortsetzung folgt)
Gespeichert unter (Bau)-Kunst schauen, Fokus: Heidegger.