27.01.
G: Die geistige Haltung hat auf das Fragen den gleichen Einfluss, wie das Interesse an der Antwort. Unterscheiden müsste man also, wie jemand fragt davon, was er anstrebt, zu wissen. Lässt man es zu, erschüttert zu werden von der Antwort oder ordnet man das Gehörte in ein erwartetes Muster ein?
W: „…Der Sinn einer Frage ist die Methode ihrer Beantwortung. Sage mir, wie Du suchst, und ich werde dir sagen, was du suchst…“ (S. 12)
G: Wenn man Kindern zuhört, bemerkt man bei ihnen die Fähigkeit, sich erschüttern zu lassen. Man hört, wie das Kind eine Antwort wahrhaftig sucht. Dieses Suchen ist ein Ursprüngliches, es ist etwas Grund-legendes. Es sollte das Vorbild bleiben für alles spätere Fragen.
H: „…wissend ist nur der, der versteht, dass er immer wieder lernen muss und der aufgrund dieses Verstehens sich von allein dahin gebracht hat, dass er stets lernen kann. Dies ist sehr viel schwerer, als Kenntnisse zu besitzen…“ (S. 24)
G: Wer kann sich lange genug fernhalten vom Irrtum, dass man zum Spielen Regeln braucht? Wer kann sich fernhalten von der beengenden Form? Wer kann sich das Ent-decken dessen möglich lassen, das zuvor be-deckt war? Wer zieht das wahrhaftige Ent-decken dem Wegziehen des zuvor platzierten eigenen Tuchs vor?
H: „…dass mithin alles Denken, das lediglich die Denkgesetze der herkömmlichen Logik befolgt, von vorn herein außerstande ist, von sich aus überhaupt die Frage nach dem Seienden auch nur zu verstehen, geschweige denn, zu entfalten und einer Antwort entgegen zuführen…“ (S. 27/28)
G: Kunst ist das Refugium der Freiheit des Denkens, denn Denken ist Kunst. Sie kommt nicht etwa von Können. Kunst kommt von Müssen. Der Künstler kann nicht anders, als sein Werk zu bearbeiten, als die Dinge zu bearbeiten. Er sieht die Dinge mit anderen Augen. Sie zeigen sich ihm reicher, als bei den meisten Menschen. Sie fordern ihn auf, zu handeln. Sie entfalten einen Sog, in der er gezogen wird. Sie verlangen ihre Ent-deckung!
H: „…Aus solcher Überlegenheit (der des Geistes gegenüber der Wissenschaft, CJG) spricht der Dichter immer so, als würde das Seiende erstmals aus- und angesprochen…“ (S. 29)
G: Wie der Dichter das Wort in seine Entdeckung entlässt, so kann der wahre Architekt sein Bauwerk als reine Metapher realisieren. So kann jeder Künstler das präsent werden lasen, das Präsenz überhaupt möglich macht. Das Selbstverständlichste ist dann das Erschütternste.
W: „…Die Selbstverständlichkeit der Welt drückt sich eben darin aus, dass die Sprache nur sie bedeutet und nur sie bedeuten kann…“ (S. 14)
(Fortsetzung folgt)
Zitate:
H: Martin Heidegger: Gesamtausgabe; Band 40; Frankfurt am Main 1983
W: Ludwig Wittgenstein: Werkausgabe; Band 2, Frankfurt am Main 1984
Die Bedeutung der Kunst liegt nicht in ihrem formalem Aeusseren,sondern in ihren Inhalten,die sich,wie sie bemerken nicht dem Koenner sondern dem Kuenstler offenbaren.Diese Offenbarungen sind so stark und maechtig,dass der Kuenstler nicht anders kann,als auch zum Koenner zu werden.Erstens um diese Kunde zu vermitteln und nicht zuletzt um sie selber zu begreifen,womit er seeligerweise Zeit seines Lebens und darueberhinaus beschaeftigt sein wird.
Kunst erfordert also zwingend zum Koenner zu werden und leitet sich am ehesten vom Kuenden ab.
Somit waere die Kunst der alleinige Motor aller funktionierenden Systeme oder andersrum alle Susteme,die nicht auf Kunst basieren koennen niemals funktionieren.
(Fortsetzung folgt)
Liebe ist die Selbstverstaendlichkeit des Denkens.
Freiheit=Verantwortung
Ich würde Ihnen dann folgen können, wenn der Künstler-Könner nichts mehr zu tun hat mit dem herkömmlichen Können (etwa einer speziellen Fachdisziplin oder eines bestimmten Kunsthandwerks). Vielleicht könnte man den Künstler auch ganz fernhalten von diesem Begriff und einen anderen finden. Das, was er einmal gelernt hat an Kunstfertigkeit (Maltechniken etc.) scheint mir nur von sekundärer Bedeutung zu sein; Mittel zum Zweck und nicht mehr. Der Zweck allerdings entzieht sich ebenso dem Künstler. Er dient anderen Zwecken als denen, die er (oder wir) erkennen könnten.
Wir können höchstens die Bewegungen und Wandlungen auf diesen Horizont zu be-schreiben – und sind dabei an die unzureichende Sprache gebunden. Bemühen sollte man sich da, die Sprache stets an ihre Grenze zu führen – und damit uns selbst.
Sie schlagen den Bogen zum Künden. Damit kann ich gut leben, auch wenn das sehr religiös anmutet. Ich denke, dass eine wie immer geartete “Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit” keine spirituelle Transzendenz nötig hat.
Koennen=Kunstfertigkeit bezeichnet ja nur die Methoden mit denen versucht witd die Inhalte sichtbar und erlebbar zu machen,nicht die Inhalte selbst,die das eigentliche Feld der Kunst sind.
Der Kuenstler=Kuender schoepft ja aus dieser Quelle.
Aus diesem mal nahem,mal fernem Lande dringt(oder draengt sich auf)die Kunde,die Botschaft,die Erkenntniss,was auch immer nur eine Annaeherung an die Wirklichkeit der”Bewegungen und Wandlungen auf diesem Horizont” ist.
Was aber,wenn dieser Prozess gar nichts Einmaliges und Grossartiges an sich haette,sondern eher das Selbstverstaendliche,Lebensnotwendige sei?
Die Menschen,die ich kennenlernen durfte,welche auf diesem Weg zu wandeln pflegten,waren allesamt eigenartig,aber sicherlich alles andere als kranke Sonderlinge.
So verschieden diese auch zu meinem eigenenNaturell waren,so hatte ich doch einen leichten Zugang zu ihnen,ich konnte nachvollziehen,waehrend mir dieses bei “Normalen” kaum gelingt und mir Sinn und Zweck der meisten Handlungen,sowie kommunikative Annaeherung an ihr Wesen verschlossen bleibt.
Auch mir kommen Menschen manchmal seltsam verschränkt vor. Das Bild von der “freiwilligen Selbstbeschränkung” im Sinne eines guten Funktionierens innerhalb der Spielregeln (Gesellschaft, Familie etc.) kommt mir dann in den Sinn.
Einer Abrichtung in ein kulturelles Spiel gleich, passiert die Dressur über die Sprache. Mit ihr werden Regeln vermittelt. Etwas Virtuelles und vollkommen Relatives (die Regel) dringt dann in das Fleisch ein und bestimmt wiederum auch die denkerischen Grenzen des Menschen.
Die wesentliche Fähigkeit der Kunst ist doch, dass sie uns Auswege zeigt und herüber hilft über die Grenzzäune unseres Selbst.
Ja, das Selbstverständlichste ist das Erschütternste. Das ist ja so spannend bei Heidegger. Seine ganze “Magie” entfaltet sich hierhin; in die “Seinsvergessenheit”. Das Sonderbare ist das Vergessen dessen, was auch das Vergessen erst möglich macht. Dass etwas da ist, eröffnet einen gewaltigen Horizont und nicht etwa, wie ich die Dinge forme, strukturiere oder füge.
Ein viel zuwenig beachtetes und diskutiertes Thema,wie Sprache und Wortgebrauch das Denken beeinflusst.Wie Medien,Politik und (Miss)Bildungswesen Menschen manipuliert und entwuerdigt.
Kennen sie jemanden,der sich damit naeher beschaeftigt?
Ich kann mir vorstellen,dass man bei konsequenter Erforschung dieser Thematik einige heilige Kuehe scharf ins Auge fassen muss.
Michel Foucault hat mit “Überwachen und Strafen” Straf- und Erziehungsprozeduren seit dem 18. Jahrhundert aufgezeigt. Auch für Architekten interessant, denn es geht u.a. um Bauformen zur Disziplinierung. Hier zwei Links zu einem Interview mit ihm: http://bit.ly/9lc2NZ und http://bit.ly/dc2L6k