3.06.
„Ein Kunstwerk ist mehr als ein Objekt“ ist der Titel zu einem Interview, das die Neue Zürcher Zeitung mit Daniel Birnbaum geführt hat. Er ist der künstlerische Leiter der 53. Kunstbiennale von Venedig und äußerte sich aus einer seltsam anmutenden Außenperspektive über den Gegenstand seiner Arbeit.
Dem Schreiber dieses Blogs will es partout nicht möglich sein, die folgende Gegenüberstellung unkommentiert zu lassen: „…ein Kunstwerk ist mehr als ein handelbares Objekt, es ist immer auch Ausdruck einer Welt oder einer Weltsicht…“. Was soll denn das für eine Differenzierung sein, die die Kunst zwischen einem irgendwie gearteten Konstruktivismus und ihrer Monetarisierung verorten will?
Weder das eine, noch das andere fassen die Wirklichkeit von Kunst. Der Warencharakter dürfte doch wohl meilenweit davon entfernt sein, zum Kriterium zu werden; es sei denn, man erliegt dem Irrglauben, dass der Wert des Kunstwerks sich ausdrücken würde in einer Summe, die irgendjemand zu irgendeiner Zeit dafür zu zahlen bereit ist.
„Weltenmachen…“ ist das Motto der 53. Kunstbiennale. Hier drückt sich der Birnbaumsche Antipode aus zur Handelbarkeit. Werden Welten gemacht? Vielleicht in Science Fiction Filmen a´la „Matrix“, der über die Pfingstfeiertage mal wieder lief im Fernsehen, aber sonst hat gemachte „Welt“ herzlich wenig zu tun mit der Wahrheit, die sich ins Werk setzt, mit der Unverborgenheit des Seins, das im Dasein präsent wird. Nein, die Kunst verspannen zu wollen zwischen diesen beiden Polen, zeigt nichts anderes als die Sprachlosigkeit unserer Zeit. Sprachlosigkeit meint freilich nicht, das man verschont würde von der „geistlosen Freiheit des Meinens“ (frei nach Hegel…).
Da bleibt nur eins. Selber nach Venedig fahren und sich ein Bild und eine Sprache machen und ggf. auch aufhören, sich in den Feuilletons den Verlautbarungen der Würdenträger auszusetzen: „…Solche Menschen haben den letzten Rest nicht nur einer philosophischen, sondern auch einer religiösen Gesinnung eingebüsst und statt alle dem nicht etwa den Optimismus, sondern den Journalismus eingehandelt, den Geist und Ungeist des Tages und der Tageblätter…“ (Nietzsche: KSA 1 364/365)
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