11.06.
Gemischte Gefühle hatte der Schreiber dieses Blogs, nachdem er über eine Meldung aus dem beschaulichen Schweizer St. Gallen gestolpert war. Im dortigen Kunstmuseum wird der geneigte Besucher nämlich auf seine körperlichen und geistigen Reaktionen während des Ausstellungsrundgangs gescannt.
Das „psychogeografisch kartierte Museum“ ist also Wirklichkeit…Im zugehörigen Pressetext steht zu lesen: „…Untersucht wird nicht was Kunst ist, sondern wie sie im Kontext des Museums zustande kommt, also wie sie wirkt beziehungsweise der Museumsbesucher Werke und ihre
Wirkung empfindet…“
Da wurde mein Unbehagen schon kleiner, denn die x-fach gestellte Frage, was die Messerei und Hirnfixiertheit denn aussagen soll, wird von den Initiatoren schon beantwortet. Man ist sich darüber im Klaren, NICHTS über die Kunst auszusagen. Hier wird lediglich gemessen, DASS etwas passiert mit den Menschen. Nicht gemessen werden kann, WAS dort passiert. Aber das ist doch die entscheidende Frage – für mich jedenfalls.
Dennoch bewegen sich die Forscher auf dem schmalen Grad zum Selbstbetrug mit konstruktivistischen Mitteln, der ja heutzutage Mainstream ist. Zu lesen ist nämlich weiter, dass man zwischen drei Betrachtungsweisen die „Psychogeografie“ zu finden hofft, nämlich „Bedeutungsraum durch Hängung der Exponate“ versus „Materialität und Gestalt“ versus „Vorwissen und Erwartung“.
Spannend erscheint mir viel eher, dass die Forscher sehr schnell an die Grenzen ihrer Disziplinen kamen in diesem Projekt und durch die Zusammenarbeit mit Künstlern zu „Mut und flexiblem Denken“ gezwungen worden sind. Das Dilemma einer Wissensproduktion, die sich auf Reduktionismus gründet, wird hier überdeutlich.
Schon einmal war bei LOGEION.NET ein neuer und aufgeweiteter Forschungsbegriff im Fokus. Die am Projekt beteiligte „Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel“ scheint einen solchen Weg ebenfalls zu gehen, wenn sie schreibt: „…Künstlerische Forschung versteht man dort (HGK Basel, CJG) als ein Forschungsprinzip der Kreativwirtschaft. Mit künstlerischen Prozessen und Methoden soll Flüchtiges, Neues oder bisher Ungesehenes erfahrbar und damit interpretierbar gemacht werden…“
Diese Haltung kann ich bejahen und da der glückliche Zufall mich demnächst ohnehin nach St. Gallen führt, werde ich mir die Ausstellung nicht nur ansehen, sondern mich auch (quasi im anarcho-scientistischen Selbstversuch) verkabeln lassen…
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