28.06.
Gefragt hatte ich zu Beginn dieser kleinen Reihe: „…Geben tut es Dinge. Geben tut es Ideen. Geben tut es ein Verhältnis zwischen „materiell/immateriell“. Wer oder was gibt? Wer oder was macht es möglich, dass man nimmt, was gegeben wird? Sind wir die Geber – die Geber der Ideen und Dinge? Oder gibt es einen Grundzustand, eine Matrix, eine Basis, auf der man nimmt?…“
Schellingsches „Construieren“ der Ideen ist in einem absoluten Horizont verspannt. Das Sein und die Idee und Gott und das Absolute bilden einen prägenden Zusammenhang. Der Mensch ist darin das unvollkommenste Glied. Er ist nämlich bestimmt – im Gegensatz zum Unbestimmten. Der Mensch ist bestimmt durch etwas, das er nicht ist und etwas, das nicht seine Idee ist. Das mag für mach Heutige harter Tobak sein, ist aber wichtig zum Verständnis der absoluten Ideenwelt.
Reden wir von Gott. „…Alle Möglichkeiten sind Möglichkeiten in Gott…“ (Schelling, F.W.J.: Philosophie der Kunst; unveränderter reprografischer Nachdruck aus dem Nachlass von 1859; Darmstadt 1990, S. 18), schreibt Schelling. Er will darauf hinaus, dass Gott nicht teilbar ist, eine Einheit ist. Gott ist dabei nicht identifizierbar und kann nicht als das Eine bezeichnet werden, denn „…er ist die absolute Einheit selbst, nicht alles, sondern die absolute Allheit selbst, und daß beides unmittelbar als eins…“ (Ebd. 19)
Mag sein, dass wir es bei Schelling mit einer Metaphysik der Kunst zu tun haben. Aber die Phänomene der Kunst gewinnen hierdurch eine Klarheit. Eine nämlich, die uns ein falsch verstandener Reduktionismus oder Determinismus verbaut. Schelling stellt die ästhetische Anschauung über die begriffliche. Was für eine Wohltat. Wenn man das zulässt im Denken, wird plötzlich alles klar. Und ebenso plötzlich werden einem die Kapriolen des Wissenschaftsbetriebes deutlich, denn die Empirie der Psychologie und anderer Methoden sind unzulänglich und können das Wesen der Kunst nicht erfassen.
Kunst lässt sich also durch empirische Werkzeuge nicht trivialisieren. Sie wirkt und west als Enthüllerin der Ideen. Kunst verkörpert die Idee, denn diese steht für das Absolute. Das Absolute wiederum wird offenbar und wahrnehmbar durch die Sinne. Die Sinne haben Teil am Schönen. Alles weist auf das Absolute und im Kunstwerk liegt eine verborgene Wahrheit: „…die Schönheit, kann man sagen, ist überall gesetzt, wo Licht und Materie, Ideales und Reales sich berühren (…) Schönheit ist da gesetzt, wo das Besondere (Reale) seinem Begriff so angemessen ist, daß dieser selbst, als Unendliches, eintritt in das Endliche und in Concreto angeschaut wird. Hierdurch wird das Reale, in dem er (der Begriff) erscheint, dem Urbild der Idee wahrhaft ähnlich und gleich (…) Das Rationale wird als Rationales zugleich Erscheinendes, Sinnliches…“. (Ebd. 26)
Hier werden auch die Brücken deutlich in die Poesie und zur Musik. (Fortsetzung folgt)
Gespeichert unter Fokus: Schelling, Freier Geist sein.