27.09.
Bleiben wir bei dem Gedanken, mit dem der letzte Teil dieser Reihe endete. Eine Baukunst, die performativ sein soll, muss leiblich sein. Sie hat es nicht nötig, rationalisiert zu werden und sich in einem System zu entwickeln, das sich mathematisieren lässt.
Baukunst ist -wie alle Kunst selbst- ein Werden, ist werkhaft, vereint den Menschen mit den Dingen, ist immateriell wie imaginär und hat doch zugleich eine materielle Basis. Etwas Festes, Solides, zur Form Erstarrtes ist wirkend. Dieses Wirken ergreift den Menschen.
Versuchen wir doch dieses Wirken als wichtigen Bestandteil der Performanz zu sehen. Versuchen wir auch, uns zu lösen aus den Subjekt-Objekt-Dichotomien und beziehen eine neue Ebene in die Betrachtung ein. Eine, die einen Zustand beschreibt, der beide Pole zusammenfasst. Eine, die nicht nur den Spieß umdreht und anstelle des Subjekts das Objekt zum Sender einer Wirkung macht. Eine, die sich nicht damit begnügt, das Konstruierende als Gestaltungs- und Wirkungsmacht von einem Pol in den anderen zu verlagern.
Suchen wir also das Verbindende, das jenseits liegt von Objekt und Subjekt. Suchen wir das Sein selbst, das Seiendes bedingt. Fassen wir diesen „größten gemeinsamen Nenner“ atmosphärisch auf. Denken wir den Leib als „Medium“, um an dieser neuen Ebene teilzuhaben und tun wir das mit dem Hauptvertreter der „Neuen Phänomenologie“, Hermann Schmitz : „…wenn ich vom Leib spreche, denke ich nicht an den menschlichen oder tierischen Körper, den man besichtigen und betasten kann, sondern an das, was man in dessen Gegend von sich spürt, ohne über ein „Sinnesorgan“ wie Auge oder Hand zu verfügen, das man zum Zweck dieses Spürens willkürlich einsetzten könnte…“ (Schmitz, Hermann: Der unerschöpfliche Gegenstand. Grundzüge einer Philosophie; Bonn 2007; S. 115).
Hier hat also jeder Mensch neben seinem Körper einen Leib und mit diesem ist er In-der-Welt. Dieser Leib und nicht etwa die Psyche oder die Sensorik des Einzelnen, ist die Grundlage des Erlebens und Handelns. Der Leib ist ausgedehnt über die Grenzen des Körpers hinaus. Er ist bestenfalls als „prä-dimensional“ vorzustellen und entzieht sich einer euklidischen Verortung. Er ist älter, als die Intelligenz, würde Merleau Ponty sagen.
Der Leib wird gesehen als: „…Resonanzboden, wo alles Betroffensein des Menschen seinen Sitz hat und in die Initiative eigenen Verhaltens umgeformt wird…“ (Ebd., S. 116). Die „Initiative eigenen Verhaltens“ möchte ich in der Folge als Performanz lesen und zur Möglichkeit machen, Baukunst zu betreiben, denn warum sollten diese Überlegungen nicht in die andere Richtung gedacht werden können, also von „passiven“ Teilhaben in ein „aktives“ Gestalten mit und durch diese Leiblichkeit. (Fortsetzung folgt)
Gespeichert unter (Bau)-Kunst schauen, Fokus: Merleau-Ponty.