4.10.
Das kürzlich erschienene Buch von Ludger Schwarte „Philosophie der Architektur, München 2009“ stellt ebenfalls, wenn auch mit einem anderen Fokus, die Frage nach der *Performativität* in der Baukunst. Es tut es, in dem die Wechselwirkungen, Bedingungen und Ermöglichungen menschlicher Handlungen im konstituierenden Zusammenhang mit den jeweiligen architektonischen Räumen gesehen werden.
Performanz und Performativität sollte man unterscheiden. Obwohl es dem Autoren dieses Blogs immer deutlicher ist, dass es nur darum gehen kann, das einzelne Subjekt aus seinem Relativismus herauszulösen, kann doch die Tatsache der Bewusstheit nicht in Abrede gestellt werden, sondern höchstens die Schlüsse, die man daraus zieht. Schwer fällt es im Moment also, sich auf eine Seite zu schlagen, denn wenn die Performativität Mensch, Situation und Ding erst sprechen lässt, bin ich ganz bei ihr. Wenn jedoch das künstlerische, schöpferische Subjekt gebraucht wird, um sich performativ zu überwinden, um an *etwas* anderem teilzuhaben, weniger.
In Performanz geht es um Lösung und Bewegung. Das Ziel dieser Lösung ist nicht etwa die Hin- oder Rückwendung in eine Metaphysik, sondern eine Öffnung zu dem, was allem zugrunde liegt, was das Dasein von Mensch und Ding bestimmt und durchdringt. Diese Öffnung ist radikal augenblicklich und an Handlung geknüpft. Sie passiert im Moment des Tuns. Tun wird hier Ausweis von Authentizität, Un-Bedingtheit und also Wahrheit.
Wahrheit ist dann nicht mehr an Sprache, System, Metaphysik etc. geknüpft. Es zeigt sich *etwas* anderes. Es zeigt sich das Sein. Die Frage nach dem Sein in der Baukunst ist hier von Interesse und das findet in der Performanz statt, die ein intentional autonomes Subjekt braucht und ebenso in der Performativität, die in der Handlung Subjekt wie Objekt erst entstehen lässt. Das Problem muss also vertagt werden, denn es gibt im Moment mehr Fragen als Antworten hierzu.
Zurück zum Buch. Ludger Schwarte würde sich wahrscheinlich dagegen wehren, mit dem Schmitzschen „Einleiben“ etwas zu tun zu haben, denn er identifiziert einen Webfehler in der Phänomenologie und schreibt: „…Welche Sinne und welche Aktivationsmuster wir ausprägen ist eine biologische Antwort auf die Eigenschaften der Welt, in der wir uns befinden. Diese biologische Antwort, die Organbildung, ist abhängig von Freiräumen, die als Ressource der Veränderung genutzt werden können. Die Architektur dieser Freiräume sollte als Gestaltung der Sinnlichkeit verstanden werden…“ (a.a.O., 343)
Das weißt auf ein streng wissenschaftlich, konstruktivistisches Weltbild hin und auch eine Brücke zum Atmosphärischen (Klima) wird schnell wieder verbaut, in dem der Zufall quasi metaphysische Dimensionen bekommt: „…Das Agieren-Können geht aus einem Klima, d.h. aus einer Neigung, aus der gestaltenden Kontingenz einer Situation hervor…“ (Ebd.). Dennoch ist die Lektüre fruchtbar, denn die Bewegung ins Offene der Baukunst bleibt das Hauptmotiv. (Fortsetzung folgt)
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