Auf den Spuren eines Städters ...
Neulich gab es bei „spiegel.de“ einen Artikel zu lesen über Städter und ihre Psychosen. Interessant und anregend genug für sieben kleine Geschichten aus dem Alltag eines Großstadtbewohners.
1.
Gleich is es soweit. Computer runterfahren. Schnell in die andere Hose schlüpfen, noch einen Blick in den Spiegel, Portemonnaie einstecken nicht vergessen. Noch aufs Klo? Schlüsselbund in die Hosentasche und ein letzter Blick in den Rucksack. Alles dabei? Wo ist der Notizblock? Nochmal zurück . Ah, da liegt er ja. Jacke an, Rucksack auf den Rücken. Die Wohnungstür noch 1 m entfernt. Los jetzt. Ach – shit. Geräusche, Schritte. Da kommt jemand die Treppe runter. Abwarten. Endlose Sekunden verstreichen. Mann, beeile dich mal! Endlich, die Schritte werden leiser und die Hauseingangstür fällt ins Schloss.
2.
Auf dem Weg zur U-Bahn. Unterwegs mit schnellem Schritt. Einem Geschoss gleich, keinem Flaneur. Hastige Blicke auf Straße, Fassaden, Hunde und Menschen. Augenkontakt? Bloß nicht, sonst kommt noch jemand auf die Idee, einen anzusprechen.
3.
Schon wieder diese Zeitungsverkäufer. Man kann das Gelaber nicht mehr hören: „Ich bin 24 Jahre alt, lebe auf der Straße und habe hunger. Darf ich Sie um eine kleine Spende bitten?“ Mann, halt bloß die Klappe und geh in den nächsten Waggon! Endlich, die Zielstation.
4.
Wow, sieht die gut aus. Jetzt bloß keinen Fehler machen. Ja nicht zu deutlich hinsehen. Noch 30 m. Wer gewinnt den Coolheitswettbewerb? Wer signalisiert die größere Unabhängigkeit? Von wegen Sklave der Hormone und so. Noch zehn Meter. Ha, erwischt, einmal zu viel geblickt. Triumph breitet sich aus. Noch 2 m. Jetzt die Augen unbewegt geradeaus und versteinerte Miene. Schade, sah doch irgendwie gut aus.
5.
Was is das denn für n Spinner? Völlig verfettete Haare und kommt geradewegs auf einen zu. Stinken tut der wie die Pest. Der Penner will Streit. Beinchen stellen, rempeln und so. Verbale Nettigkeiten wechseln die Häupter. Der Typ streckt einem den Zeigefinger entgegen und ruft „Peng, Peng“, während der verdreckte Daumen sich zweimal senkt. „Verpiss dich bloß, Du Missgeburt“. Nette Einstimmung auf den Supermarkt.
6.
Diese verdammten Autos und erst die Lkw. Schweinelaut. Als wenn dir jemand in die Fresse schlägt. Das Trommelfell zieht sich richtig zusammen. Krass, dass da auch Muskeln sind.
7.
Endlich zuhause! Von unten, von oben, von rechts, von links, quer durch den Innenhof. Von überall Sound der Mitbewohner. Super. Schopenhauer soll gesagt haben, dass Lärm die Pest des 20. Jahrhunderts wird. Recht hatte der Kerl.
