Übergänge_Bernauer Straße
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Übergänge_Dorotheenstädtischer Friedhof
STERBE(R)(Z)EIT
BR(H)AUCHT
WI(E)DERSTAND
Auf der Spur der Zeit ...
Menschen leben in der Gegenwart – und nur dort. Hier stiftet sich ein Etwas, das allererst in die Reihe gestellt werden kann. Nur aus dem Augenblick heraus lässt sich bestimmen, was hinter einem Augenblick liegt oder davor.
*
Der Mensch wurzelt in der Gegenwart. Wieso aber sind so viele der festen Überzeugung, dass sie in der Zukunft wurzeln? Es hat jedenfalls diesen Anschein, wenn man die Leute dabei beobachtet, wie sie ihre Pläne machen.
*
Pläne strotzen oft vor Kalkül und Berechenbarkeit. Pläne verfolgen heißt, Ziele oder Ergebnisse ansteuern. Was aber sind Ergebnisse anderes als vergangene Versatzstücke?
*
Wenn ein Ziel bekannt ist, bevor es erreicht wird, kann es doch nur eine Vergangenheit sein.
*
Zukunft entsteht also auf der Grundlage von Erinnerungen, von vergangenen Versatzstücken, denn Menschen sprechen und bilden Begriffe aus ihren Gedächtnisspeichern. Zukunft, wenn sie gedacht wird, wird sich also auf schon Gedachtes berufen müssen, auf Vergangenes, das lediglich wieder hervorgeholt wird und gegebenenfalls anders kombiniert.
*
Das Neue wäre dann lediglich das (wieder) Hervorgeholte. Möglicherweise auch aus anderen Gedächtnisspeichern hervorgeholt, als aus dem eigenen.
*
Das Neue ist gar nicht erkenn- und verhandelbar, denn es wird beschrieben werden müssen.
*
Selbst wenn es das gäbe, was „tatsächlich“ neu (was immer das heißen mag?) ist, könnte menschliches Sprechen es nicht be-sprechen. Das soll nicht heißen, dass es für einen einzelnen Menschen nichts anderes geben könnte. Überhaupt sollte man „neu“ durch „anders“ ersetzen.
*
Könnte man sagen, dass jeder Gedanke an etwas anderes, als das, was gegenwärtig ist, nur durch sein Anderssein ein Potential von Zukünftigkeit hat? Anderssein wäre dann Möglichkeit, denn alles kann jederzeit anders sein, als es in der Gegenwart ist. Das Andere muss passieren und dieses Passieren ist zeitlich.
*
Dann gäbe es ebenfalls die Zukunft auch ohne das Denken und der Brückenschlag in den Augenblick und die menschliche Gegenwart wäre gemacht. Zukunft entbirgt sich dann durch das Andere, das mir begegnet, ohne dass ich es zuvor gedacht habe.
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Fragmente und Wortakrobatik 205-259 ...
205. Wahrnehmungen: Volumenfahrt…
206. Wahrnehmungen: Staubewegung…
207. Wahrnehmungen: Rotationssitz…
208. Wahrmehnungen: Rhythmuswiderstand…
209. Rotationen: uuuunnnn
210. Rotationen: IIII—-
211. Rotationen: ffffjjjj
212. Rotationen: wwwwmmmm
213. Ruhend und klar: W T U I O A H Y X V
214. Pirouettenfähige: T I P F Y V
215. Bipedisten: W R A H K X N M
216. Sicherheitsbedürftige: E Z L
217. Balancisten: U O S D G J C B
218. Unentschiedene: O X
219. Ethisches: Verge(h)(b)en
220. Manche machen so spitze Ohren, dass deren lange Schatten die Sonne verdunklen…
221. Das Ende von Gesprächen bestimmt bei manchen schon deren Anfang…
222. Manche verbrauchen ihre ganze Täuschungskraft nur für sich…
223. Bei manchen gleicht Freundlichkeit aggressiver Aufforderung…
224. Vom “Charme” der Ortsbegehungen oder: mit Sommeroutfit im Kellerkampf…
225. Den Pollen-Verächtern oder: das Gewahrwerden der Einheit mit der Umwelt…
226. Befeuchtungsopfer…
227. Brusthaartupetklebergeplagte…
228. Mückenstichheilcremetupfertätowierte…
229. Stiernackenstoppelversehrte…
230. Priorisierungsirrtumsbefürchter…
231. Seifenblasenbaupoetin…
232. Langsamkeitenatmosphärenschweber…
233. Strukturwindtänzerin…
234. Mickrigkeitenauslebungsgenießer…
235. Strukturberührer: Die Kompositionen von Iannis Xenakis hinterlassen eine ungewöhnlich große Leere nach ihrem Verklingen…
236. Mit unendlicher Trauer im Blick behauptete sie sich gegen die Aggression, die ihr schon wieder entgegen gezischt wurde…
237. Sie fragte sich still, wann es begonnen hatte. Wie lange konnte sie noch von der friedlichen Erinnerung zehren?
238. Wie rüpelhaft die Nacht schwebte…
239. Wärme kann in die Weite drücken. Rückenwind gleicht dann Lückenwund…
240. Es einachtelt wieder sehr…
241. Malteblau wird schnell Paukenlau…
242. Schon die liebe lange Millisekunde lang reißt der Flautensturm die Flockensegel in tausend Ganzheiten…
243. Der Kaffee rann einer Gerölllawine gleich durch seine Kehle. Das nächste Mal würde er die Bohnen mahlen…
244. Schöner Verschreiber: wann pabst es am besten?
245. Den OhrenZeugen: Heute Nacht war er wieder im Bilde über der Beziehungen von Frequenz, Stoßkraft und Schlagzahl seiner Nachbarn…
246. Den aktionistischen Tierfreunden: Mott(e)o
247. Den spirituell Beschriebenen: Ta(t)o(o)
248. Den standhaft Benachteiligten: Arm(iert)e
249. Verschlimmbesserungsseeligkeit: Handlungsethos als Opium fürs Volk?
250. Träger weißer Handschuhe sind zu grob für die Reinheit der Welt.
251. Was schert eine schroffe Klippe die andrängende See? Sie lässt die Zeit einfach zerschellen.
252. Paul Valery soll gesagt haben: “Ich bin nicht immer meiner Meinung”. Zeitgemäße Ergänzung: auch das Ich ist nur eine Meinung…
253. Auch ganz nett – Rilke x (-1): Stiller Freund der vielen Fernen = lauter Feind von seltener Nähe…
254. Manche erinnern in ihrer Permanenz eher an Flatulenz…
255. Manche verwechseln die Tisch- mit der Wischmanier…
256. Manche sind so eifrig im Schlammwerfen, dass sie bald auf dem Trockenen stehen…
257. Trost für die stillen Stunden der inkompetenten Karrieristen: “Selig sind die Armen im Geiste”…
258. Formel für den idealen Handschlag: PH=√(e2+ve2)(d2)+(cg+dr)2+π{(42)(4
2)}2+(vi+t+te)2+{(42)(42)}2 (kein Witz…)
259. Den Genießern der Temporalität: Ich checke es demnächst. Die Anzeige heute griff erst ab gestern, sodass ich bis morgen damit warten muss.
Quelle: http://twitter.com/CJGrothaus
Konstruktionen und Sinn(e) ...
Nomos ich Besitzer als bin Wasser müde brummen und bemühe mehr zu Haar!! schreiben und ans zu denn den an die Sein Sonne bekannter Luft die trank Möwen das schreiend
Möbel können Angst strahlt
Scheiß vor dem diesseits Kruste stimmen auf der Hauch
schlecht Haut die Feuchte im Augen treppab der Bullaugen angeforderte feuchte bloß nie das Romantik bin schlafen auf mehr
recht schlecht sahen viele Leute den Blicke Kaffee kann es teuer verschlissene tolle trinken
weiter das Zeit vor treppauf Kekse Gerüche fremde ein Schlafsack nicht deutlich Klänge die ganze Kaffee Ziel Kastellan…
G: Wie einfach es doch ist, von starrer zu fließender Sprache zu kommen. Nur einige Regeln umgehen, einige Gewohnheiten brechen und schon ist alles in Bewegung, alles im Wandel.
G: Es kann nicht nur die Dichtung Räume in der Sprache öffnen, sondern auch die De-konstruktion ihrer Regeln. Jedes Wort bleibt unangetastet – nur ihre Fügungen werden geändert.
G: Spannend wird es, wenn die Dimension der Zeit (Laute, Rhythmik, Intervalle) in den Text gerät. Das ist leicht zu erreichen, indem die Pausen und Betonungen auf das Fettgedruckte ernst genommen werden beim lauten Lesen – dazu sei jeder Leser eingeladen…
Grenzgänge ...
Dunkles Locken steckt im gewalttätigen, stets wiederkehrenden Ruf…
Lethargisches Regen zeigt sich vor leichter Erhellung…
Das Band der Zeit scheint zu fehlen…
Klänge als Destruktionen – allem entgegen und manchmal als Rhythmus…
Stimmung und Stimme sind in Faltungen durchzogen – sie gleiten…
Die Regung bleibt dominant vor dem erfolglosen Aufschwingen des Klangs…
Pausen zerreißen das Gewebe – es war unendlich weitmaschig da…
Folgende, rhythmische Faltungen sind wie beängstigende Stimmen aus dem Dunkel…
Die Stimme will in das Begegnende einsetzten…
Ein Entzug bleibt hörbar – nur dieses Mal…
Nie war die Regung so nah – in einem ergebenden Entlanggleiten am Abgrund…
Stimmen umspannen die Schläge wie unpassende Kleider…
Worte gleichen eher Lauten – sie sind ohne Sinn…
Für diese Sprache gibt es nur die Grammatik…
(Iannis Xenakis: Medea)
Fragmente und Wortakrobatik 172-204 ...
172. Kommunikation erschien ihm wie ein Gummiband. Sie konnte sehr gedehnt werden und schnellte ggf. schmerzhaft und plötzlich zurück…
173. Ansprechen würde er sie nicht. Es genügte ihm vollkommen die Fülle ihres stillen Nebeneinanders…
174. Trotz aller gegenwärtigen Maskentänze wusste sie um den einzigen, untrüglichen Weg in das Innere ihrer Gegenüber – die Stimme…
175. Der beste Umgang mit einer Erfahrung schien ihm ein männlicher zu sein. Man musste regelrecht in sie eindringen…
176. Ernsthaft baute sie an ihrem Leben. Geschäftigkeit verwechselte sie dabei immer seltener mit Lebendigkeit…
177. Er war nun endlich auf dem Weg vom Tuer zum Seier…
178. Den Akribieverwechslern: Mache neigen eher zu Falt, als zu Sorg…
179. Viel zu oft nur (S)Einer-lei(h) und Mü(h)-ß(z)ig-gang…
180. er(b)(l)aulich(t) oder: wie dicht Freud und Leid doch zusammen liegen…;-)
181. Schöne Abgründe: (b)lü(g)(t)enk(ni)(e)lch
182. U-Bahn-Synonyme: Drainage, Abfluss, Kanalisation, Menschenpumpe, Druckreinigung…
183. Allerorten: Gef(w)ühl
184. Zusammenhänge: Leisegang(lion)
185. Mildtätig: Schwester Ag(n)e(n)s
186. Den halben Tag von Liebesmonster gnadenlos durch die Stadt gejagt, schaffte er es gerade noch zur rettenden Ha(ss)csienda…
187. Leben von der Erschütterung: Sati(t)(r)e
188. Neue Zusammenhänge: Stau(b)
189. Sie sieht alles so Spinat heute. Liegt wohl am Grühling…
190. Multifrage: Are yor S(s)ch-(w)er(e)?
191. Feine Unterschiede: (v)ergießen
192. Le sacre du printemps…: grün(d)lich und be(le)bend scheint der Frühling
193. Scheinverwandtschaften: Zähigkeit und Geduld…
194. Zum Dauerrecycling empfohlen: Verhülltes sieht man besser…
195. Geschwisterpaare: Wahr-nehmen und An-nehmen…
196. Präsenzen: Leihgaben…
197. Präsenzen: Sprungmöglichkeiten…
198. Präsenzen: Flüchtlinge aus Nochnicht…
199. Präsenzen: Selbstüberwindungsförderer…
200. Präsenzen: Zwischenprovozierer…
201. sch(m)einen…
202. st(re)erben…
203. lei(b)d…
204. verl(i)ebt…
Quelle: http://twitter.com/CJGrothaus
Ortungen ...
Die dunklen Rufe der Holzbläser verweben die spitzen Streicher und das vorwurfsvolle Blech.
Selten war ein Dialog so direkt.
Die Erwartung kühlt sich ab und macht der Ent-deckung Platz.
Dynamik entsteht nicht aus Tempo, sondern wächst aus Pause.
Dieses Geheimnis lebt von der Plötzlichkeit.
Die Glissandi wirken als Startbahn, als Rampe.
Ein Werden geschieht nicht gradlinig.
Ein universaler Prozess bleibt stets umfassend.
Chaos ist nur eine kapitulierende Bezeichnung.
Harmonie steht für den Rest, das Kapitulationsgut.
Sie funktioniert nur über die Fokussierung, die Ausblendung der Fülle – anders nicht.
Das Konfrontierte entzieht sich der Ordnung.
Übrig bleibt die Ortung, die Matrix der Präsenz.
Ein Sinn ist viel umfassender zu denken.
Das Muster kollabiert. Das Grundgewebe trägt dennoch.
Die Ahnung ist der Baustoff, der die Auftürmungen (er)hält.
Der Wert der Differenz erscheint überdeutlich.
(Iannis Xenakis; Antikhthon)
Irritationen in c-Moll ...
Allegro con brio
Aus fröhlichem Anfang erwächst schnell Ernsthaftigkeit.
Die Leichtigkeit wird abrupt hineingezogen in die Schwere.
Das Thema wird im harter Anschlag aufgeladen, geradezu gestählt.
Der Tastendruck hält den zu dünnen Instrumentengruppen die Moll-Idee entgegen.
Die Rollen kehren sich plötzlich um. Der Klangkörper steigt als große Welle an.
Zu zögerlich antwortet das Klavier der Offenheit.
Beschwörend entsteht der letzte Versuch der Einigung.
Die Anschläge werden leicht drängender.
Sie sind dennoch kein probates Mittel, sie bleiben konturenlos.
Largo
Der Ton ist eine Spur zu klar, zu langsam und zu dünn.
Nur die Kontrabässe loten ihre Möglichkeiten aus.
Das Klavier setzt tapfer die Impulse. Sie verrinnen jedoch ohne Wirkung.
Rondo: Allegro
Die Streicher sind zu hell
Das Klavier hält auch hier nicht Stand, es ergibt sich.
Die Helligkeit destruiert den Klang vollends.
Nur für kurze Zeit keimt die Erinnerung an den ernsthaften Anfang.
Zurück bleibt Ratlosigkeit.
Warum lebt die Er-wartung so wenig vom Warten?
(Beethoven; Klavierkonzert 3; Einspielung Gould, Bernstein; 1960)
Fragmente 139-171 ...
139. Langeweile scheint die Abwesenheit von Präsenz zu sein, dachte sie sich, während die Welt um sie herum begann, sich unendlich zu dehnen
140. Den Quantenmechanikern: Wunschkinder; als solche betrachtete er nun die Technologien. Sein Glaube an ihre guten Manieren war geschwunden…
141. Man muss die Ahnung davor schützen, dass sie in Vorstellungen kollabiert…
142. Klarheit herrscht in unserer Welt auf Kosten des Unklaren…
143. Wie kann das Bauwerk Etwas zeigen, das sein eigenes Anderes ist?
144. Manche hielten sie für zurückgeblieben, aber er wusste, dass er es lediglich mit einer tadellosen Haltung zu tun hatte…
145. Manchmal versicherte er sich des Moments, indem er fahrende Autos so nah streifte, dass er ihre Wärme spürte…
146. Sie wusste nicht recht, ob es ein Grund zur Freude war, dass es ihr mittlerweile sehr gut gelang, sich selbst schwer zu beleidigen…
147. Den Entschlossenen: Oberkörper leicht, Arme weit nach vorn gestreckt, Blick konzentriert. So würde sie sich künftig immer die Hände cremen.
148. Um wie viel überstieg doch die Information der Helligkeit jede sonstige! Kein Ver- oder Vor- oder Einstellen, sondern nur blanke Präsenz…
149. Es war, als leuchtete ihn die Sonne von innen aus. Seine Augen waren tatsächlich nur Durchgänge…
150. An die Projektionswilligen. Eine reinere Form der nonverbalen Kommunikation gab es für sie nicht, als allein an einer Bar zu sitzen.
151. Mittlerweile waren ihr die Blicke egal, wenn sie in der U-Bahn den Schirm aufklappte und damit begann, sich das linke Nasenloch zu weiten.
152. Corporate Identity: Wie schlüssig doch sein Doppelkinn, die spießige Brille und das unangenehme Wesen miteinander korrespondierten…
153. Seine Aura verbreitete sich wie ein Geruch. Sie blieb zwar unsicht- aber wahrnehmbar und intensivierte sich, je näher er kam…
154. Verbaltsunami: Wie turmhohe Wellen drangen ihr die Rufe nach Contenance aus dem Mund…
155. Der dicke Batzen Glück passte kaum in seine Hand. Er schleuderte ihn mit höchster Wucht auf seine Gegenüber…
156. Trotz größter Mühen gelang es ihr heute morgen nicht, ihre wild flatternde und schrill schreiende Kaffeemaschine einzufangen…
157. Knatternde Motoren, im Gleichschritt stampfende Stiefelabsätze, rythmische Gesänge. An irgendwas erinnerte ihn der Sound in dieser Passage.
158. Wie elegant die Bewegung des LWK wirkte, als er bei Rechtsabbiegen den Fahrradfahrer zermalmte.
159. Er liebte die Momente, in denen alles in Zeitlupe abzulaufen schien. Man konnte dann den Redeströmen viel besser ausweichen…
160. Er brauchte mittlerweile den Kampf gegen die Müdigkeit. Dessen Energie übertrug sich direkt ins Gedachte.
161. Den Ideen-Bändigern: Er hatte oft Mühe, die reine Möglichkeit in ihre Wirklichkeit zu zwingen und dort zu halten…
162. Der Kaffee in der Tasse war heute nicht so gesprächig wie sonst…
163. Übung macht den Meister. 1,73 Sekunden brauchte sie mittlerweile nur noch, um ihre Zunge 2,32 m aus dem Mund schnellen zu lassen.
164. Ihr Tisch war heute wolkig. Sah zwar gut aus, machte aber durchaus Mühe, die richtigen Tasten zu treffen…
165. Wenn der Spülmittelschaumberg doch nicht immer so tropfen würde. Sonnst hatte sie ja nichts dagegen, dass er sich gern zu ihr gesellte…
166. Moton Feldman kam ihm heute vor wie ein zögernd näherkommender gigantischer Rochen, dessen Schwingen ihre dunklen Schatten weit vorauswarfen
167. Gedanken klopfen an den bleiernen Schleier der Müdigkeit, der machmal über ihnen liegt. Ihr rhythmisches Geräusch mahnt, nicht aufzugeben…
168. Sie wollte ihn nicht zu viel aufheitern. Sie brauchte die Gravitation seiner Ernsthaftigkeit…
169. Im Gegensatz zu ihm und seiner Stirn kroch die Schwermut stets über ihren Mund in sie hinein…
170. Den Kausalitätsverächtern: Fortan würde er seine Mitmenschen immer zuerst beleidigen, bevor er zur Mildtätigkeit ansetzte…
171. Er liebte die Momente, wenn die Struktur so komplex wird, dass sie zur reinen Bewegung übergeht…
Quelle: http://twitter.com/CJGrothaus
Beethoven-Klavierstunde ...
Sie war wieder da, diese erhebende Schwere…
Selbst Atlas könnte nun die Kraft bekommen, die Welt mit einem fröhlichen Lied auf den Lippen zu tragen…
Es war, als richteten sich die Augen in den Himmel. Das Licht ließ für kurze Zeit etwas anderes zu…
Endlich konnte man sich verbeugen. Dabei nur scheinbar vor einem Menschen. Viel eher vor Gott selbst…
Es war wie das Ende eines Sommergewitters, in dem das Blau des Himmels vom satten Duft der nassen Erde und den abziehenden Regenwolken lebt…
Stets ansteigend trieb der Aufbruch die vorangegangene Lethargie vor sich her…
Die Sammlung war voller Lebendigkeit. Alles schien möglich zu sein…
Die Verwundbarkeit überschritt manches Mal die Grenze zur Verzweiflung…
Die Kehre gelang stets und auch das Aufrichten…
Der heroische Blick fokussierte die Unendlichkeit. Es war die Leere im Angesicht…
Die Geister des Zweifels blieben dennoch. Es würde auch weiter ein Auf und Ab sein…
Der Mut gab den Takt. Seine Intervalle erzeugten jedoch noch kein dauerndes Vertrauen…
Der Mut leitete nicht heraus aus der Ausweglosigkeit. Er hielt sie nur in Bewegung…
Ein Anritt konnte nur überstürzend gelingen…
Das Tempo steigerte sich teilweise bis zur Überforderung…
Selbst die Rückschau auf das Gelungene behielt die etwas zögerliche Nachdenklichkeit…
Die Freude blieb verspannt in einer promethischen Tragik…
Die Leichtigkeit überstieg sich nie. Sie hielt stets ihre Grenze ein. Das hohe Tempo konnte nicht darüber hinwegtäuschen…
Der Abschied war so schwer wie der Beginn. Ein Kreis hatte sich geschlossen…
(Beethoven, Klaviersonaten Op. 109-111)
Finnische Lektionen ...
Die Ahnung trieb auf die nächste Ernüchterung zu, denn der vermeitliche Gipfel war wieder nur ein Grat und ihm folgte die nächste Senke…
Es war wie der Versuch, die wilde See glattzustreichen. Der Hand folgte augenblicklich der nächste Strudel…
Die Hölzbläser schafften es immer wieder, den Andrang der Streicher zu bändigen. Sie hielten die klare Kontur – wie der Rahmen das Bild…
Blechbläser und Steicher liefen mit ansteigendem Tempo aufeinander zu. Sie kollidierten aber nicht, sondern verschmolzen zu einem gewaltigen Blitz, der mit leichter Verzögerung verheerend explodierte….
Die Streicher gaben auch in den höchsten Kulminationsstufen des Geflechts die gliedernde Bewegung…
Das bisschen der Blechbläser reichte oft aus, um fast zu bersten…
Machmal egalisierte die gleichmäßige Fülle alle treibenden Kräfte zu einem gemeinsamen Anschwellen…
Die Gefahr war groß, in zu hohem Tempo auf den Gipfel zu stürmen. Man fiel zu leicht in die Tiefe dahinter…
Das weite Tragen der Holzbläser lebte von Zeit zu Zeit vom entfernten, kurzweiligen Geplaudern der Streicher…
Das schicksalsschwere Thema brachte sich an den wichtigen Stellen stets in Erinnerung…
Die Pauke schlug einen Riss. Die Streicher folgen sofort dem eindringenden Lichtschein und drangen an die Oberfläche. Danach gab es kein Halten mehr und die Mauern fielen…
Es gelang, die Kontrabässe in einer hauchdünnen Sphäre fast unhörbar wirken zu lassen…
Die Blechbläser zogen am Ende langsam, doch unaufhaltsam die Seele aus dem Leib…
Die Pauken verhinderten das Sterben und trieben einen zurück in die Gegenwart…
(Jean Sibelius: Sinf. 4)
Fragmente 113-138 ...
113: An die Alter Egos: Sie wollte ihren inneren Drang ins Äußere kollabieren lassen und wartete geduldig auf den Moment der Überschreitung…
114: Den Ent-schiedenen: Sie träumte mittlerweile lieber, als zu wachen. Sie war sich sicher, damit die vollkommenere Form des Scheins zu wählen
115: Sie wollte es schaffen, den Geist direkt aus ihrem Leib zu bergen. Sie wollte das Denken und Tun in einen einem einzigen Zuge erreichen…
116: “mit den einfachsten Mitteln die großartigsten Formen und Bahnen und gleichsam eine bewegliche Architektur schaffend” (Nietzsche KSA 1,868)
117: Wesens-Klänge: Manche Melodien sind immer wieder neu, manche schon nach dem zweiten Hören unerträglich. Bestimmt keine Frage der Häufigkeit.
118: Das Lachen über etwas ist mindestens so schnell, wie die Reflexion auf etwas. Vielleicht konnte sie Ihren Geist auf diese Weise einholen?
119: Vilém Fussers Ansatz: das Umgebende ballen als ein Herausklauben und Verdichten unwahrscheinlicher Gestalten aus einem Möglichkeitenfeld…
120: Er hatte sich behauptet. Er hatte sich über die Regel gestellt. Sein Lächeln wirkte seltsam bemüht. Sein Triumph war durchsetzt von Zweifeln
121: An die Pandoraner: Ihr wurde schlagartig deutlich, dass auch die Hoffnung eine Plage war. Zeus hatte doch seine vollkommene Rache bekommen.
122: Den Ge(h)hilfen: In der Philosophie sollte man sich bewegen wie ein Bergwanderer und den Blick auf den Weg richten, anstatt auf den Gipfel.
123: Den Gesundheitsaposteln: Interessant fand sie überzeugte Bio-Supermarkt-Käufer, die sich nachts in Clubs die merkwürdigsten Pillen einwerfen
124: Nur für Schwimmer: Eigene Sinnstellungen so weit auflösen, dass sie ins Fließen kommen und man in Bedeutungen entspannt baden gehen kann
125: Den Fortgeschrittenen: Gestern war es ihm zum ersten Mal geglückt. Er wollte etwas mit derselben Intensität, wie er es nicht wollte…
126: An die Über-Phrasendrescher: Sie dachte immer öfter, dass man sich besser nur auf die Ausdrücke beschränken sollte und Satz-Füllwerk meiden
127: Der Alltag kommt ohne Illusionen aus. Er passiert einfach, will es scheinen (höchste Form der reflexlosen Selbstkonstruktion)
128: Sie saß am Fenster. Sie schwieg dabei so laut, dass das Glas fast zersprang…
129: Wittgenstein erscheint als lebendiger Gebirgsbach, während Heidegger eher ein mächtiger Strom ist, der träge und unaufhaltsam fließt
130: Heidegger erscheint wie literarischer Bruckner. Voller Dynamiken und Brüche und doch noch in einem verbindenden Horizont gesammelt…
131: Die Optimistenprobe: “Ich will, dass Sie mir etwas bedeuten, ehrlich!”, sagte er zu ihr beim dritten Rendezvous.
132: Manchmal rang sie so intensiv um Worte, dass ihre Gegenüber schweißgebadet waren…
133: Ihre Worte waren wie Rasierklingen. Es blieb nichts, als auf deren Kanten zu balancieren. Man lief dabei stets Gefahr, zerteilt zu werden…
134: Präventivkriege: Seine üble Laune müsste förmlich aus dem Gesicht springen und den ganzen Raum fratzenhaft verdunkeln…
135: Die zunehmende Helligkeit stach formlich in seine Augen. Es war, als platzte die Melancholie von ihm ab, wie die Rinde einer Platane…
136: Er: “Wie müsste ein Mensch sein, der weiß, dass er selbst der Punkt ist, an dem sich Himmel und Erde berühren?” Sie: “Am besten blind!”…
137: An die Genießer: Er dosierte seine Ironie gekonnt. Es war, als würde sich die Pointe im Zeitlupentempo entwickeln…
138: Ach Quatsch! Er trug diesen Vorwurf mit dem gleichen, irrationalen Impetus vor, wie die zuvor geäußerte Befürchtung seiner ängstlichen Frau
Quelle: http://twitter.com/CJGrothaus
Goldberg Lektionen ...
Als verliefe man sich in den unendlich gefalteten Formen der Variationen…
Alles fügte sich in einer zusammenhängenden, permanenten Bewegung…
Es war, als bekäme die Zeit ihr Gepräge…
Es war wie ein Ein- und Auszoomen in die Struktur der Zeit…
Der Augenblick selbst brauchte kein Vehikel mehr, um präsent zu sein…
Ungestüm schlossen die Bestandteile sich an. Sie schmettern förmlich auf die Struktur…
Mehr Ruhe zeigte sich im Vogelflug…
So sehr das Tempo sich auch steigerte, alles hielt zusammen…
Der starke Pulsschlag prägte noch die in die Langsamkeit gekommene Dynamik…
Der Abschied war gesättigt von Erinnerung und doch gleichzeitig voller Neugier auf eine Wiederkehr…
(J.S. Bach: Goldberg Variationen)
Fragmente 79-112 ...
79. Es reichte ihm der Anschlag einer einzigen Taste auf dem Klavier und er hatte alle Phasen des werdend-verklingenden Da-Seins vor Augen
80. An die Selbstdrücker: Hab ich viel zu tun heute, wurde sie nicht müde zu betonen, als sie nach dem dritten Kaffee kurz die Zeitung senkte
81. Ein Jammer, er war so putzig, dachte sie, während sie den toten Wellensittich der Kinder zerteilte, um ihn durch die Klospülung zu kriegen
82. Hätte ich doch nur nicht so viele Erwartungen, dachte er, als er sich enthusiastisch auf den Weg zur nächsten Enttäuschung machte…
83. Vergehende Sterne: Für ihr Alter war sie zu stolz, daher schmerzte es sie immer mehr, erhobenen Hauptes an den Bewunderern vorbeizuschreiten
84. An die Stoiker: ihre unbedarfte Natur half ihr auch dieses Mal, dem unerwarteten Schub negativer Energie mit Gleichmut zu begegnen…
85. Ist der Zweifel der schlecht erzogene Bruder der Möglichkeit?
86. Missverständnisse: Sie aß und aß, aber das Abnehmen wollte einfach nicht klappen…
87. An die Selbstängstlichen: Sorge machte ihr vor allem, dass sie langsam die Fähigkeit verlor, sich etwas vorzumachen…
88. An die Physiognomiker: Langsam lastete die Ernsthaftigkeit in ihrem Gesicht immer stärker. Sie bekam davon sogar Muskelkater im Kiefer…
89. An die Unbändigen: Sein Freiheitsdrang war mittlerweile so mächtig geworden, dass er sogar die Bedeutung einer Tasse nicht mehr akzeptierte
90. Ein Ausweg schien ihn zu sein, mit dem Sprechen aufzuhören. Würde sich dann das Deuten verlieren? Würde sich dann das Eigentliche zeigen?
91. Sie begriff schlagartig, dass ihre Offenheit entwaffnend war. Sie begriff ebenfalls, dass sie sich die ganze Zeit im Kriegszustand befand
92. Wie eine Welle wollte er sein Haus, in ständiger Veränderung sollte es sein. Alles war ihm ganz klar – nur der Architekt verstand kein Wort
93. Die Welt als Setzkasten: Er würde stets auf den schmalen Graten der Trennwände balancieren und den Abstieg ins Gestell tunlichst vermeiden
94. An die Perspektivenüberschreiter: Aus dem Flugzeug betrachtet, sah er die andere Gestalt des Schnees. Sie glich eher endlos langen Fäden…
95. An die Maß-Tester: Sie war noch zu unerfahren, ging es ihm durch den Kopf, als er ihr etwas zu deutliches Blicken bemerkte…
96. Eines Tages fragte sie sich, wann sie begonnen hatte, die Wäscheklammern auf dem Ständer nach Farben sortiert in Linie auszurichten…
97. Sie schwangen beim ersten Treffen dermaßen auf einer Welle, dass auch schon das Ende der möglichen Beziehung sich schmerzlich abzeichnete
98. Lange würde sie ihn nicht mehr verstecken können, dachte sie und verbarg wie jeden Tag ihren dritten Arm sorgfältig unter dem Pullover…
99. An die Tiefen: Sie war etwas Besonderes, denn ihre Würde hatte keine Nähe zum Stolz, sondern eher zum Geheimnis…
100. U-Bahn-Reiher: Ihre Beine wirkten wie überlange, dünne Stelzen, die stumpf in dem zu schmal geratenen Becken steckten…
101. U-Bahn-Ohrenkrieger: Der kreischende Sound aus den Kopfhörern seines MP3-Players umgab ihn wie ein Verteidigungswall…
102. Manchmal scheint es, dass auch lange Freundschaften nur gedehnte Irrtümer sind. Das spricht etwas über den Grad der Erwartung…
103. Schauspielerplagen: Desinteresse zu signalisieren, stengte sie zunehmend an und auch, das Weggucken nicht wie Blickstarre wirken zu lassen.
104. Den Selbst-Befreiten: Mittlerweile genoss sie es, ihre Gesprächspartner mit hinabzuziehen in die teils lähmende Tiefe ihrer Gedanken…
105. An die De-konstrukteure: Sie forderte vom Gegenüber die gleiche Bereitschaft zur Selbstwiderlegung, die ihr seit einiger Zeit zu eigen war
106. An die Sirenen: Als sie deren Wirkung bemerkte, bemühte sie sich, ihre Stimme noch tiefer, gedehnter und schwebender klingen zu lassen
107. An die Skeptiker: Manchmal passierte es, dass ihm etwas ganz plausibel erschien. Sein Widerstand wuchs daran stets ins Unermessliche…
108. An die Ohn-mächtigen: Sie konnte es nicht fassen und dennoch, sie wollte belogen werden. Dann erst fühlte sie sich besser – kurz jedenfalls
109. Wie üblich wurde sie von ihm mit Berührungen markiert, wenn ein anderer Mann in der Nähe war. Es wurde ihr von Mal zu Mal unangenehmer…
110. Der Wille wächst am Widerstand. So beschloss er eines Tages, kein Mensch mehr zu sein…
111. Die ganze Gewalt ihrer Freude ängstigte sie. Schon mit einer sehr zurückhaltend wirkenden Geste war sie mehr als beschäftigt…
112. Mit 26 Buchstaben kann die Sprache eine unendliche Anzahl Sätze bilden. Das hielt ihn einstweilen davon ab, mit dem Sprechen aufzuhören…
Quelle: http://twitter.com/CJGrothaus
Fragmente 39-78 ...
39. Hélène Grimaud im Hintergrund: Tasten für den Rechner mit denen des Kalviers tauschen. Schreiben und Spielen als Eines nehmen. Wortmusik tun
40. Frage an einen Kaltblütigen: kriecht nicht manchmal die Luft über den Boden wie ein Löwe kurz vor dem Sprung auf seine Beute?
41. Von akademischen Weihen: “Philosophie entsteht nie aus und nie durch Wissenschaft” (Heidegger: Gesamtausgabe Bd. 40, S. 28)
42. Der Ur-sprung und seine Springer: “In derselben Ordnung ist die Philosophie nur mit der Dichtung” (Heidegger: Gesamtausgabe Bd. 40, S. 28)
43. Erwartung der Geistschwangeren: Langsam sickert die Recherche ein. Mal sehen, was sich heute Abend zeigen will
44. Ob das stimmt?: “Conversation is like making love; the man is the question, the woman the answer, and the union of both will bear fruit”
45. Es wollte sich noch etwas Ansehnliches in die Tasten bringen lassen, heute Abend. Letzter Blick. Was für interessante Leute ihr doch seid!
46. Wenn Worte gesprochen werden, können sie sich in eine Verwandtschaft zur Musik begeben und auch eine ähnliche Wirkung erzeugen.
47. Bekenntnisse und Intensitäten. Die “Zeit” u.a. darüber, was Heavy Metal mit Klassik zu tun haben könnte
48. Peter Zumthor als Architekt wie kaum einer fähig, das Bauen zu überschreiten. Schade, dass er hier politisch wird
49. An die Getriebenen: Sein Suchen wirkte nur oberflächlich. Da war noch etwas anderes…
50. An die Feinfühligen: Langsam stieg die Wärme in ihm auf. Angenehm war es ihm nicht…
51. An die Ungeduldigen: Das Warten zog sich wie ein Gummiband. Obwohl oder gerade weil das Ziel so nah vor ihm lag…
52. An die Zaghaften: Sie stand ganz verloren da. Er traute sich trotzdem nicht, Sie anzusprechen…
53. Ihre überschlagenen Beine stachen förmlich in den Raum. Das nervöse Wippen mit dem Spielbein stand im Gegensatz zu ihren verträumten Blick.
54. An die Pragmatiker: Die Blicke in sein hell erleuchtetes Wohnzimmer kümmerten ihn nicht. Er würde die Passanten ohnehin nicht wieder sehen.
55. Sie sah gut aus und sie wusste es. Der konzentrierte Blick in ihr Buch war daher von einem zufriedenen und leichten Lächeln begleitet…
56. An die Atmosphären-Ausweicher: Er konnte die Freundlichkeit nicht erwiedern und sog fast verlegen an der Zigarette.
57. An die Unbedarften: Er vertraute sich einer schmalen Brüstung an. Sie hielt seinem Lehnen stand und bewahrte ihn vor dem Sturz in die Tiefe.
58. An die stillen Wasser: Sie hatte einen lasziven Gang. Er stand nicht im Verhältnis zu ihrem sonstigen Äußeren.
59. An die Dauerlerner: Der Milchshake zwischendurch war die falsche Wahl. Das ließen ihn seine mittlerweile blauen Finger spüren.
60. An den Großstädter: Wie immer ignorierte er den Bettler auf dem Bahnsteig. Wie immer fühlte er sich schlecht dabei.
61. Klang-Behausung: manchmal, wenn die Musik gerade verklungen ist, kommt man nur schwer über den Verlust hinweg…
62. An die Abgründigen: er fragte sich immer öfter, seit wann die aufrichtige Freundlichkeit mancher Mitmenschen ihn zu nerven begann…
63. Lösung für frustrierte Wohnungssucher: Mobile Architektur, die (fast) nur noch ein nettes Dach zum Draufstellen braucht
64. An die Grenzgänger: Bemühen sollte man sich, die Sprache stets an ihre Grenze zu führen – und damit den Menschen selbst…
65. An die Echo-Lauscher: nach ihrem Abschied wurde ihm klar, dass sein bester Rat gewesen war, nicht so zu handeln, wie er selbst es tun würde
66. An die Unbeugsamen: der Geist würde es schaffen, über den Körper zu triumphieren. So dachte er auch noch am vierten Tag ohne Schlaf…
67. Den Mitgerissenen: das Finale aus Beethoven Klaviersonate 14 brachte ihn in beste Rage. Seinen Text konnte hinterher keiner mehr entziffern
68. Der Architekt David Chipperfield in aller Munde. Nicht zu unrecht, wie ich meine. Heute mit dem neuen Folkwang Museum
69. Anton Bruckner saugt einen formlich in sich hinein. Nichts anderes möglich: Siehe auch
70. Warum sollte er seine Vertrauenswürdigkeit beweisen, dachte er, als er das Seil durchschnitt und sie begannen, in die Schlucht zu stürzen
71. Er konzentrierte sich darauf, die Freude in ihm nur sehr langsam und sanft aufsteigen zu lassen. Er wollte Sie, wie einen warmen Sommerwind.
72. An die Sprungbereiten: Sein Gesicht war nur oberflächlich ruhig, als er mit steigender Wut den Argumenten zuhörte…
73. An die Taktierer: er hatte ihn soweit und setzte zum letzten Mal mit pathetischem Ton an, bevor er die ausgestreckte Hand ergreifen würde…
74. An die Adrenalinjunkies: er stieg mit voller Kraft in die Bremsen. Endlich mal was los, dachte er, kurz bevor der LKW in sein Auto krachte
75. Du weißt doch, ich mag schlichte Sachen, sagte er zu ihr und zog sich akkurat seinen Boss-Boxershort ein Stück weiter über den Hosenbund.
76. Älteste Spiele: Endlich spürte sie seine tastenden Blicke. Ihr vor Freude hüpfendes Herz dürfte nun auf keinen Fall die Oberhand gewinnen…
77. Franz Schuberts Klavierwerk klingt mir immer öfter wie die Vertonung der “Penseés” von Blaise Pascal…
78. Man kann sich dem Augenblick nur hingeben. Zu etwas anderem ist er nicht bereit…
79. An die Gegenwartsspringer und Zeitdiktatserlösten: Wer sich dem Verfall des Augenblicks verschließt, kann seine Fülle nie erreichen…
Quelle: http://twitter.com/CJGrothaus
Fragmente 1-38 ...
1. Frage an den Wissensarbeiter: weißt Du noch oder denkst Du schon…?
2. Selbstmahnung aus gegebenem Anlass: Nie intellektuelle Arbeit mit wissenschaftlicher Arbeit verwechseln.
3. Schöner Blog. Sehr zu empfehlen: Tänzerin zwischen den Welten: Die Karten sehen auch alles…
4. Sucherglück und Wortmusik: Toller Link zu Architektur Poesie
5. Gerade gefunden. Passt zur Frage nach Architektur-Poesie
6. Frage an einem Architektur-Poeten: Wie kann ein Gebäude die Dynamik und Vielschichtigkeit einer Metapher bekommen?
7. Stadtwanderungen: Der Abgrund der Form ist der Formalismus. Architektur als Form kann abgleiten in Hermetik. Wandelmöglichkeit als Gegengift
8. Frage an einen Bergsteiger: Glaubst Du, dass der Gipfel das wirk-liche Ziel ist?
9. Frage an einen Melancholiker: Ist zu viel Selbstbewußtsein nicht die Ursache für zu wenig Selbstvertrauen?
10. Spiegelfechtereien: manche Entscheidungen gleichen einem Kampf. Der härteste Gegner ist man dann selbst.
11. Nachtrag zum Struktur-Thema: “eine Architektur der Wechselwirkungen aus Form, Material, Struktur und Umwelt?”
12. Ein Gebirge! Dennoch wahrscheinlich interessante Veranstaltung: “Forum zur Evolution von Strukturen”. Werd mal hingehen
13. Großer Irrtum: Anzunehmen, dass man zum Spielen Regeln braucht
14. Abendlauf. Wie @JoSilberstein gestern schrieb. Die Kälte drückt die Luft zu Boden. Sie fordert Aufmerksamkeit, lässt keine Halbherzigkeit zu
15. Wunderbares Stück von Steve Reich im Ohr.
16. Es ist eine Form von Fülle, die die Wirkung der Musik ausmacht. Nicht nur zu hören, nicht nur zu fühlen, ist diese eigentümliche Ansprache.
17. Diktatur der Zukünftigkeit: Was wäre eine Erwartung, die das Innere nie verlässt. Wäre sie wie Hoffnung, Mittel zum Zweck oder Selbstzweck?
18. Mittendrin in neuer “Reise auf der Stelle”. Hoffentlich sitze ich im richtigen Zug! Der Sitz ist auf jeden Fall schon mal bequem…
19. Aber auch der Nomade ist nicht notwendig jemand, der sich bewegt: es gibt Reisen auf der Stelle (G.Deleuze: Nietzsche.Ein Lesebuch,S.120)
20. Um Musik be-schreiben zu können, muss man zur Musik werden.
21. Zurück vom Laufen. Seichter Nebel verband den weißen Boden mit dem grauen Himmel. Dazwischen waren die schwarzen Äste wie echte Weggefährten
22. Virtuelles Millieu: Selbst schuld. Wieder einmal Ursachen und Wirkungen an die physikalische Welt geknüpt: als wenn wir nicht mehr könnten
23. Das Virtuelle bleibt im flüchtigen Wandel und doch gebunden an seine technische Ermöglichung. Hier spiegelt sich das menschliche Dilemma
24. Immer noch sporadisch Probleme mit DSL. Auf Sand gebaut die schöne neuen Digitalwelt. Netzbewohner sind gnadenlos abhängig von der Technik
25. Neues Projekt angeschoben. Den Wandel ernst zu nehmen, birgt die meisten neuen Horizonte. Kein langes Nachdenken nötig…
26. Viel mehr Architekten sollte es geben, die ihr Werk poetisch begreifen. Beispiel aus nzz-online
27. Glenn Gould ist der einzige, der es schafft, Beethovens Klaviersonaten *auch* langsam zu spielen. Welche Qual bereitet hier A. Schiff…
28. Soundscape. Callcenter Hintergrundrauschen bei der Telekom klingt schrill und hektisch. Ganz anders im Konzertsaal – dort sonor und schön
29. Gerade Schwierigkeiten mit DSL gehabt. 2 h Ausfall. Merkwürdig amputiert kommt man sich vor. Netzbewohner bin ich wohl mittlerweile geworden
30. Poeten-Moral: Lieber ein Mal möglich, als hundert Mal wirklich!
31. Menschen sind heutzutage allein und isoliert? Typischer Fall von visueller Diktatur. Nur eine Minute lauschen und das Gegenteil wird klar.
32. Morgen Frühjahrsbrunch über Sculpture Network. Mal sehen, was das wird
33. „…Eindeutig ist die Blogosphäre etwas Einsames, Reflexives…“ aus…
34. Sherlock Homes in der Neuverfilmung…Größter Irrtum! Man kann einem Gedanken nie auf den Grund kommen – wie oft er auch gedacht wird.
35. Man muss auch vergessen können. Leider verlieren moderne Infoscouts aber auch die Chance, am Wissen zu wachsen
36. Ankämpfen gegen den dunklen Himmel draußen. Arbeitsroutine hilft, sich abzuwenden.
37. Noch ein paar Nachtstunden schreiben. Glenn Gould mit Bach im Hintergrund.
38. Freie Horizonte, heute: Bunkermelodien. Fragmentdialoge. Seidenstraßentiere. Allspekulationen. Rheinfreundschaften…
Quelle: http://twitter.com/CJGrothaus
